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" Leben, Kunst und das dazwischen"
Protokoll des II. Symposions Musiktheaterpädagogik
2. - 4. 11. 2008 in Berlin

entscheidung

Die drei Berliner Opernhäuser und ISIM hatten zum zweiten Mal zu einem „Symposion zur Musiktheaterpädagogik“ eingeladen. Gut die Hälfte der 60 Teilnehmer/innen waren ausübende Musiktheaterpädagogen, einige bereits auf so bezeichneten Stellen, andere als Theaterpädagogen, die auch oder sogar überwiegend für das Musiktheater arbeiten. Seit dem letzten Symposion ( Musiktheaterpädagogik – Chance und Notwendigkeit) im Jahre 2006 hat sich offensichtlich in der einschlägigen Landschaft tendenziell etwas verändert. Während seinerzeit noch so gut wie keine Positionen für Musiktheaterpädagogen an deutschen Häusern existierten, scheint es mittlerweile entweder neue oder umgewidmete Stellen für die spezifische musiktheaterbezogene pädagogische Arbeit zu geben. Die Einsicht oder Notwendigkeit, die pädagogische Arbeit mit Musiktheaterstücken „musikspezifisch“ angehen zu müssen, scheint um sich zu greifen.

Dennoch (oder gerade deshalb) erwies die Tagung, dass es nach wie vor keine in musikalischer Hinsicht „professionelle“ Ausbildung für Musiktheaterpädagogen gibt. Faktisch gibt es in Deutschland noch immer keinen Studiengang für diese Fachrichtung. Die Planungen in München sind noch nicht zu einem positiven Abschluss gekommen und in Berlin gibt es ebenfalls noch keine substantiellen Überlegungen für einen Musik-Schwerpunkt in der Theaterpädagogik. Eine Fortbildung zum Musiktheaterpädagogen wird zwar in Berlin an der Staatsoper Unter den Linden angeboten, im Wesentlichen aber eher von Musiklehrern als von an Theaterspielstätten Tätigen nachgefragt. Noch keine Intendanz hat bislang „auf eigne Kosten“ einen Theaterpädagogen auf eine musiktheaterpädagogische Fortbildung geschickt. Und das Schwerpunktthema „Musiktheater“ bei der letzten Jahrestagung des BuT kann nur als Tropfen auf den heißen Stein betrachtet werden.

Fast durchgehend wurde auf dem Symposion festgestellt, dass die musiktheaterpädagogische (wie auch die theaterpädagogische) Arbeit an Opernhäusern und Theatern selten als eine eigenständige Einrichtung mit genuinen Zielen betrachtet wird. Die musiktheaterpädagogische Arbeit als ein eigenständiger Weg „Erfahrungsräume“ zu öffnen, in denen die Beteiligten „in der Begegnung mit einer ‚fremden Welt‘ auch sich selbst und den Anderen begegnen können“ (Markus Kosuch), wird von den künstlerischen Opinion-Leaders an den Theatern noch nicht hinreichend anerkannt. In Referaten (Michael Parmentier) und Grußbotschaften (Klaus Zehelein) wurde betont, dass – wohl entgegen der Auffassung und den Wünschen vieler Marketingabteilungen und Intendanzen – Musiktheaterpädagogik „intervenieren“, „dazwischen treten“ und verfremden kann und sollte, indem sie etwas anderes als die stromlinienförmige Vermittlung des Regiekonzepts und des „corporate designs“ eines Opernhauses bereit stellt.

Der oft geringen Akzeptanz der Musiktheaterpädagogik innerhalb eines Opernhauses korrespondiere auf Seiten der Musiktheaterpädagogen ein viel zu geringes Selbstbewusstsein und offensives Auftreten. Die Musiktheaterpädagogik solle „Lobbyarbeit“ betreiben und dabei „Bündnispartner“ unter den Lehrer/innen, Schulen, öffentlichen Einrichtungen und in der Politik suchen. Überzeugende alltägliche Kleinarbeit biete hier die besten Voraussetzungen. Zum „Selbstbewusstsein“ der Musiktheaterpädagogik gehöre neben einer stützenden Lobby aber auch ein klares Bewusstsein davon, warum überhaupt pädagogische Vermittlung von Musiktheater notwendig ist. Mehrere Redner wiesen hierbei teils auf kultur- und bildungspolitische „Verantwortung“, teils aber auch auf jene individuellen Glücksmomente hin, die ästhetische Erfahrungen ausmachen können. Damit auch Kindern und Jugendlichen solche Momente zuteil werden könnten, bedürfe es, so Michael Parmentier, gerade der pädagogischen Basisarbeit.

Konkrete Hinweise auf Konzepte und Modelle musiktheaterpädagogischer Arbeit ergaben sich aus einem Referat zum „Erfahrungslernen“ ( Markus Kosuch), einem Podiumsgespräch, das Parallelen und Unterschiede zwischen musiktheaterpädagogischen „Settings“ und denjenigen der Psychoanalyse aufzeigte (Anne-Kathrin Ostrop, Edith Seifert) sowie einem Forum, auf dem 10 musiktheaterpädagogische Initiativen, Modelle oder Projekte vorgestellt wurden. Dieser konkrete Erfahrungsaustausch kam allerdings, wie sich gegen Ende des Symposions herausstellte, zu kurz, so dass eine Entscheidung über eine institutionelle Vernetzung der Musiktheaterpädagogen vertagt und ein weiteres, bundesweites Treffen für Anfang 2010 ins Auge gefasst wurde. Hier sollten unterschiedliche Konzepte und Modelle musiktheaterpädagogischer Arbeit explizit vorgestellt, erprobt und diskutiert werden. Erst auf der Basis dieses Informationsstandes könnte dann weiter über eine Organisationsform bzw. einen Vernetzungs-Typ nachgedacht und gegebenenfalls entschieden werden. Die Gründung einer „Musik-Sektion“ innerhalb des Bundesverbandes Theaterpädagogik (BuT) wurde von einer Teilnehmergruppe favorisiert und soll von ebendieser Gruppe in den folgenden Jahren weiter erkundet werden. Einige Teilnehmer des Symposions fanden auch in einer Mitgliedschaft im Netzwerk Junge Ohren (NJO) eine mögliche Plattform für eine Vernetzung. Die Mitgliedschaft im Institut für Szenische Interpretation von Musik und Theater (ISIM) kommt nur für Personen in Frage, die aktiv an der Weiterentwicklung des Konzepts der Szenischen Interpretation arbeiten wollen.

Das Symposion, das in einem fulminant künstlerischen (Uraufführung der Kinderoper „Robin Hood“ von Frank Schwemmer und Michael Frowin) und kulinarischen Ambiente stattfand und mit einem hochkarätig besetzten bildungspolitischen Podium begann (Stefan Rosinski, Generaldirektor der Stiftung Oper in Berlin; Helga Boldt, Mitglied der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“; Albrecht Thiemann, Redakteur der „Opernwelt“), schlug den Bogen von Referaten, die Grundfragen von Vermittlung berührten, über anschauliche Zustandsberichte und ein groß angelegtes „World Cafe“, das die Bedürfnisse aller Teilnehmer zur Artikulation brachte, bis hin zu den geschilderten Fragen einer Strategie der weiteren Professionalisierung von Musiktheaterpädagogik. Dies zweite Symposion, das einen erkennbaren Schritt über das erste des Jahres 2006 hinausgegangen ist, zeigte aber auch, dass der Weg einer Professionalisierung von Musiktheaterpädagogik ein langer und mühsamer ist. Da es aber an vielen Orten kreative und erfolgreiche Ansätze musiktheaterpädagogischer Arbeit gibt, setzen alle Teilnehmer auf Kommunikation und Vernetzung.

Die Veranstalter von ISIM (Rainer O. Brinkmann, Anne-Kathrin Ostrop und Iris Winkler) zeigten sich mit dem Verlauf des Symposions zufrieden, dankten den Kooperationspartnern (But, NJO, Deutsche Oper Berlin) und betonten mehrfach, dass ISIM zwar als wohl einzige Institution ein wissenschaftlich fundiertes „Konzept“ von Musiktheaterpädagogik besitzt, dass die Zukunft der Musiktheaterpädagogik aber nicht in diesem allein selig machenden Konzept der „Szenischen Interpretation von Musik und Theater“, sondern in einem offenen Diskurs über die Vielfalt dessen, was bundesweit erfolgreich erprobt wird, liegt. Daher setzt auch ISIM große Hoffnung in die voranschreitende Intensivierung der Kommunikation und eine sich daraus in den kommenden Jahren ergebende Vernetzung. Eine Tagung mit eben diesen Zielen wollen Marion Kaeseler (Krefeld/Mönchengladbach) und Burkhard Lücking (Essen) in Zusammenarbeit mit BuT und NJO für das Frühjahr 2010 vorbereiten.

 

 

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